Kriegslügen

Vom Pazifist zum Bellizist – Unsere Schwäche für Kriegslügen

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Seit der Staatsgründung der Vereinigten Staaten von Amerika verging kein einziges Jahrzehnt ohne eine kriegerische Auseinandersetzung oder ohne eines gelenkten Staatsstreiches. Insgesamt befanden und befinden sich die USA 225 ihrer 241 Jahre im Krieg – das sind ganze 93% des gesamten Zeitraums seit der Gründung 1776! Nur 17 Kalenderjahre herrschte Frieden. Alle US-Präsidenten führten während ihrer Amtszeit wenigstens einen Krieg. Aktuell interveniert das amtierende Imperium USA in 14 Ländern gleichzeitig: Syrien, Afghanistan, Irak, Jemen, Somalia, Kuba, Niger, Tschad, Uganda, Ägypten, Jordanien, Kosovo, Zentralafrikanische Republik und Tunesien.

Doch wie nur verkauft man dem eigenen Volk effektiv Kriege im Ausland? Menschen, denen es überwiegend fern liegt, kriegerische Auseinandersetzungen zu befürworten, die im tiefsten Inneren pazifistisch veranlagt sind, die Gewalt, Mord und Totschlag zutiefst verabscheuen? Menschen wie ich, wie mein Nachbar, meine Freunde, meine Kollegen, sogar wie mein Zahnarzt oder die nette Fleischwarenfachverkäuferin um die Ecke. Friedliebende, normale Menschen, die eigentlich die absolute Mehrheit der Bevölkerung darstellen. Wie also verwandelt man Pazifisten in Bellizisten, sog. Kriegsbefürworter? Ganz einfach, indem man das Kind nicht beim Namen nennt. Man spricht nicht von Krieg, sondern lapidar von »bewaffneten Konflikten«, von »militärischen Kampfhandlungen« oder gar von »humanitären Interventionen«. Auf das Wording kommt es an.

Zweitens: Man erfindet Vorwände um völkerrechtswidrige Kriegseinsätze zu legitimieren und der Bevölkerung schmackhaft zu machen. Man spricht nicht offiziell von ökonomischen Ressourcen und seltenen Bodenschätzen, territorialer Machtausdehnung, hegemonialen Machtansprüchen oder der Ablenkung von landesinternen Spannungen. Nein, man bezieht sich auf den »Schutz von Menschrechten«, gar von »Frauenrechten« oder schwafelt dummdreist von »Demokratieförderung«. Im schlimmsten Fall erfindet man hanebüchene Kriegslügen, um auch noch den letzten Pazifisten hinter dem Ofen hervorzulocken und für Mord und Totschlag zu begeistern. Dabei kommt den Initiatoren zu Gute, dass das Gros der Bevölkerung Kriegspropaganda sowie eine systematische mediale Desinformation der Gesellschaft höchstens für eine seltsame Verirrung von Verschwörungstheoretikern hält. Für geopolitische Sonder-, Ausnahme- und Einzelfälle oder zumindest nur für Symptome längst vergangener Epochen. Oder man assoziiert es allenfalls mit garstigen »Demagogen« oder ruchlosen »Diktatoren«. Dass aber besagte Begrifflichkeiten nur das Ergebnis ebenjener Medienmanipulation sein können, kommt dem klassischen Rezipienten erst gar nicht in den Sinn. Kriegslügen oder sog. Operationen unter falscher Flagge – früher wie heute – sind Realität und ein gängiges Mittel ALLER politischen Lager sowie mächtigen Nationen. Die folgende, unrühmliche Best-Of Liste perfider Kriegslügen und »False Flag Operations« sollte letzte Zweifel gänzlich ausräumen und zeigt: »Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.«

 

  • »Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen!« 1939 – Zweiter Weltkrieg
    Das berühmte Zitat von Adolf Hitler stammt aus der Rede vom 1. September 1939 vor dem Deutschen Reichstag. In ihr schilderte Hitler den mutmaßlichen polnischen Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz und nutze diesen zugleich als einen Vorwand für den Angriff auf Polen – der Startschuss des Zweiten Weltkriegs. Natürlich hat es den polnischen Überfall nie gegeben. Er war von Deutschland selbst inszeniert und gehörte zu mehreren von der SS fingierten Aktionen mit dem Tarnnamen »Unternehmen Tannenberg«. Diese Vorfälle dienten als propagandistischer Scheingrund für die deutsche Invasion Polens.
  • »Tonkin-Zwischenfall« 1964 – Vietnamkrieg
    Die USA täuschten im Golf von Tonkin an der nordvietnamesischen Küste einen Angriff auf das eigene Kriegsschiff USS Maddox vor und schoben es dank cleverer Kriegspropaganda den Nordvietnamesen zu. Den Angriff hat es nie gegeben und sogar die NSA hat dies längst zugegeben. Ziel war eine Sensibilisierung des eigenen Landes für einen Kriegseintritt in den bereits länger wütenden Vietnamkrieg. Die Folge: Bis zu fünf Millionen tote Vietnamesen und fast 65 Tausend tote US-Soldaten & Verbündete.
  • »Operation Gladio« 70er-80er – Kalter Krieg
    In den siebziger und achtziger Jahren beteiligte sich die NATO-Suborganisation »Gladio« – auch als »Stay Behind« bekannt – an Terroranschlägen gegen die italienische Bevölkerung. Ziel war, die Anschläge den Kommunisten im Land zuzuschieben, die zu diesem Zeitpunkt eine realistische Chance auf eine Regierungsbildung hatten.
  • »Brutkastenlüge« 1990 – Erster Irakkrieg
    Ein junges Mädchen namens Nayirah schildert am 10. Oktober 1990 im amerikanischen Kongress eine schockierende Geschichte: Die 15-jährige Krankenschwester aus Kuwait will beobachtet haben, wie irakische Soldaten ihr Krankenhaus überfielen. »Sie nahmen die Babys aus den Brutkästen und legten sie zum Sterben auf den Boden«, erzählt sie unter Tränen. Die westliche »Wertegemeinschaft« war fassungslos. Kriegsgegner verwandelten sich in Kriegsbefürworter – und US-Präsident George Bush senior ließ aufrüsten und zog wenig später gegen den Irak in den Krieg. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: »Nayirah war aber gar nicht Nayirah. In Wirklichkeit heißt sie Nijirah al-Sabah und ist die Tochter des damaligen kuwaitischen Botschafters in den USA. PR-Profis von Hill & Knowlton hatten das Mädchen als angebliche Zeugin ausgewählt. Bezahlt von der Organisation „Citizens for a free Kuwait“ hatte die Agentur eine großangelegte Kampagne für den Golfkrieg gefahren – unterstützt übrigens auch von Craig Fuller, Bush Seniors ehemaligem Stabschef, der als stellvertretender Agenturchef das Mädchen persönlich für den Auftritt trainiert hatte. Als die Lüge aufflog, war der Golfkrieg schon vorbei. Hill & Knowlton sollen für ihren erfolgreichen Coup 14 Millionen Dollar unter anderem von der US-Regierung erhalten haben.«
  • »Der Schlächter von Srebrenica« und die KZ-Lüge 1999 – Kosovo-Krieg
    Die NATO war sich für keine Lüge zu schade, um ihre Kriegsmaschinerie in Gang zu bringen und am Laufen zu halten. Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic – zwar gewiss kein Heiliger – wurde als Widergänger Adolf Hitlers beschrieben und die Medien taten alles daran ein jugoslawisch-serbisches Feinbild zu kreieren. Man berichtete über mutmaßliche Massaker, sog. ethnische Säuberungen und erfand sogar ein Konzentrationslager in Pristina. Das hat es jedoch nie gegeben. Eine niederträchtige Lüge, psychologisch allerdings so effektiv, um auch noch den letzten Kriegsgegner die Kriegstrommeln auspacken zu lassen. Gewiss, es gab viel Mord und Totschlag auf beiden Seiten, aber die Serben sollten durch eine perfide Kriegspropaganda als »das Böse« schlechthin personifiziert werden – zugunsten einer aggressiven Kriegspolitik. Wer bei diesem Thema mehr in die Tiefe gehen und mehr über die Quellen erfahren möchte, dem sei folgender Vortrag ans Herz gelegt: Wie uns illegale Kriege schmackhaft gemacht werden – Sündenfall Kosovo
  • »Ein neues Pearl Harbour« 2001 – Afghanistan-Krieg (u. Weitere)
    9/11 ist ein kompliziertes Thema und bis heute ranken sich viele Mythen und Verschwörungstheorien um den drastischsten Terroranschlag unserer Geschichte. Auch ich bin bereits in einem früheren Beitrag auf die zahlreichen Ungereimtheiten eingegangen. Unbestreitbarer Fakt ist jedoch, das die daraus resultierende Invasion Afghanistans lange vor den Anschlägen des 11. Septembers geplant war. The Guardian schreibt zudem, dass George W. Bush bereits einen Tag vor den Anschlägen, am 10. September, die konkreten Pläne für einen Angriff Afghanistans absegnete. Was der amerikanischen Führungsriege jedoch fehlte, war eine langfristige Sensibilisierung der eigenen Bevölkerung für ein neues und lange anhaltendes Kapitel der Kriegsführung im Mittleren Osten. Es fehlte ihnen »ein katastrophales und katalytisches Ereignis wie ein neues Pearl Harbor«. Das ist einem Dokument aus dem Jahr 2000 zu entnehmen, ein Jahr vor den Anschlägen und trägt den Titel: »REBUILDING AMERICA’S DEFENSES / Strategy, Forces and Resources For a New Century«. Wörtlich ist da zu lesen: »Further, the process of transformation, even if it brings revolutionary change, is likely to be a long one, absent some catastrophic and catalyzing event – like a new Pearl Harbor.« Wie unfassbar »komfortabel«, dass dieses katastrophale Ereignis dann genau zum richtigen Moment auch eintrat. Der perfekte Vorwand und die optimale Legitimation eines verschleierten »Ressourcen-Krieges« im Mittleren Osten, der bis zum heutigen Tage andauert…
  • »Massenvernichtungswaffen« 2003 – Zweiter Irakkrieg
    Die wahrscheinlich berühmteste und offensichtlichste Kriegslüge unserer Zeit. 2007 sprach der 4 Sterne General und einstiger Oberbefehlshaber der NATO Wesley Clark darüber, dass er 2001 kurz nach den Terroranschlägen des 11. Septembers ein Memo zu Gesicht bekam, wonach 7 Länder in 5 Jahren ausgeschalten werden sollten. 2003 war infolgedessen nach Afghanistan der Irak mal wieder an der Reihe. Die US-amerikanische Bevölkerung war allerdings nur schwer davon zu begeistern. Darum mussten die Propaganda-Trommeln kräftig gerührt werden und man machte der Weltbevölkerung weis, Saddam Hussein besäße gefährliche »Weapons of Mass Destruction«. Man dichtete Saddam auch Beziehungen zum Terrornetzwerk Al Quaida zu, was ihm eine Teilschuld an 9/11 eingeräumt hätte. Jedoch alles nur erfunden. Die amerikanischen Soldaten aber, die gegen ihn in den Krieg zogen, glaubten diese Lüge. Colin Powell, der frühere amerikanische Außenminister präsentierte 2003 Vor dem UN-Sicherheitsrat unter anderem Satellitenfotos von Lastwagen mit angeblichen mobilen Biowaffen-Labors. Zudem hielt er ein kleines Reagenzglas hoch um zu demonstrieren, welch kleine Menge Bakterien für einen verheerenden Biowaffenangriff ausreichen würde. Wie sich später herausstellte, waren alle Vorwürfe haltlos, erfunden und erlogen. Zu spät jedoch, denn dann waren bereits über 1 Millionen Menschen tot…
  • »Chemiewaffen, Fassbomben & der Schlächter von Damaskus« 2011-2018 – Syrienkrieg
    Der Propaganda-Krieg der seit 2011 um Syrien und die öffentliche Meinung geführt wird, sucht seinesgleichen. Bevor ich hier lange aushole, verweise ich besser auf einen kurzen Beitrag von Nahostexperte Michael Lüders aus der Sendung »Markus Lanz« vom April 2017. Er schildert eigentlich alles zum Thema, was gesagt werden muss: