Schlagwort: Umweltschutz

Nestlé Wasserprivatisierung

Nestlé und die Privatisierung unseres Trinkwassers

Darf man einen Konzern für den Dilettantismus seiner Konsumenten anklagen? Einen Konzern, der etwas teuer verkauft, was man im Grunde auch (fast) umsonst haben könnte? Die Rede ist von Trinkwasser: Man füllt simples Leitungswasser – oder frisches »Quellwasser« wie man es im Fachjargon gerne nennt – in hübsche Flaschen ab, dichtet diesem dank eines raffinierten Marketings einen besonderen, imaginären Wert an und verkauft es dann sündhaft teuer an den Endkonsumenten. Absurd, aber wahr. Doch zurück zur Frage, respektive zur Antwort: Nein, dem Konzern kann man das nicht zur Last legen. Hierbei sollten wir uns schon selbst an die Nase fassen. Doch die Blödheit unserer Wohlstands- und Konsumgesellschaft (der Autor nimmt sich hier nicht aus) ist lediglich die Nebenerscheinung einer rücksichtslosen Wasserpolitik multinationaler Großunternehmen wie Nestlé, Danone oder Coca-Cola. Das eigentliche Problem, die gravierenden ökologischen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen dieser Konzern-Machenschaften, rückt dabei allzu gern in den Hintergrund.

Nestlé zum Beispiel macht mittlerweile ein Zehntel seines Gesamtumsatzes von 110 Milliarden Schweizer Franken mit Flaschenwasser. Mehr als Sechs Milliarden Euro verdienen die Schweizer mit ihren weltweit 73 Wassermarken und dominieren somit den weltweiten Handel mit abgepacktem Trinkwasser. Wie haben sie das geschafft? Ganz einfach. Weltweit sichert sich der Konzern Wasserrechte in lokalen Kommunen, pumpt das kostbare Nass aus dem Boden und verkauft es teuer in Flaschen. Das zeigt das Beispiel einer Kleinstadt in Michigan: gegen eine Gebühr von lächerlichen 200 Dollar pro 500.000 Tonnen Quellwasser erwirtschaftet der Wasser-Multi einen Erlös von über 100 Millionen Dollar. Die Folgen? Quellen versiegen, Flüsse werden in Bäche verwandelt, ganze Landstriche trocknen aus. Eine Katastrophe für Mensch und Natur – und leider kein Einzelfall. Es wird auch keine Rücksicht auf anhaltende Dürren genommen, wie beispielsweise 2014 in Kalifornien, welches zum damaligen Zeitpunkt bereits vier Jahre an einer gravierenden Trockenphase litt. Nestlé pumpte weiter munter mehr als 2,5 Mrd. Liter aus dem Boden. Einzelpersonen oder Gemeinden, die es bisher gewagt haben, gegen den Konzernriesen gerichtlich vorzugehen, kam dies sehr teuer zu stehen.

Noch drastischer wirkt sich dieses skrupellose Wassergeschäft auf Entwicklungs- und Schwellenländer aus. Zwar gibt es global gesehen ausreichend Trinkwasser, nur nicht überall und für jeden. Ausgerechnet da, wo der Rohstoff knapp ist, beuten Nestlé und Konsorten die Vorkommen aus und verkaufen sie für viel Geld weiter. Das Prozedere ist dasselbe: Nestlé kauft in Ländern wie Pakistan oder Südafrika Lizenzen für Wasserquellen, zapft dort Unmengen von Litern ab, und verkauft dann das Flaschenwasser für relativ viel Geld. Das Problem: Menschen, die in dieser Umgebung leben bekommen keinen Zugang mehr zu den Wasserquellen, da diese sich nun im Besitz des Konzerns befinden. Speziell der verarmte, dürstende Teil der Bevölkerung kann sich aber die teuren Wasserflaschen überhaupt nicht leisten. Oft sinkt der Grundwasserpegel so dramatisch, dass sogar andere Brunnen in der Nähe austrocknen. Den Menschen wird im wahrsten Sinne das Wasser abgegraben… In der Ortschaft Bhati Dilwan saugt Nestlé aus den privatisierten Quellen Grundwasser ab und verkauft dieses an die wohlhabende pakistanische Oberschicht, während für die lokale Bevölkerung noch nicht mal ein Zapfhahn am Rande der Fabrik installiert wird. In Algerien etwa hat Nestlé dem Staat die Wasser-Nutzungsrechte komplett abgekauft und schottet seine Quellen dreist und menschenverachtend mit Stacheldraht, Videoüberwachung und Alarmanlagen ab. In Nigeria ist mittlerweile ein Liter Wasser teurer als ein Liter Benzin.

Das alles passt zur unverblümten Aussage von Nestlé-CEO Peter Brabeck (2005-2017), dass Wasser für ihn kein Allgemeingut wäre, sondern einen Marktwert besitze, wie »jedes andere Lebensmittel« auch. In anderen Worten: Wasser ist KEIN Menschenrecht. Dabei hat genau dies die UNO Vollversammlung beschlossen: Wasser ist seit 2010 ein Grundrecht für alle Menschen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass jeder Mensch freien Zugang zu Wasser haben sollte. Dass dem allerdings nicht so ist, zeigt der viel beachtete Dokumentarfilm »Bottled Life – Die Wahrheit über Nestlés Geschäfte mit dem Wasser«, der jedem ans Herz gelegt sei, der sich eingehender mit der Materie auseinandersetzen möchte. Auch eine empfehlenswerte Doku: »Abgefüllt«.

Wie so oft liegt am Ende die Macht beim Verbraucher. Doch aufgrund der schieren Masse an Produkten und Tochtermarken von Nestlé, Coca Cola & Co., ist es kein Leichtes, den Überblick zu behalten. Trotzdem sind wir alle gefragt, nicht zuletzt wenn es darum geht, Politikern, die uns in eine nachhaltige Zukunft führen sollen, unsere Stimmen zu geben. Denn während im 20. Jahrhundert Kriege um Erdöl geführt wurden, drohen uns im 21. Jahrhundert Kriege ums Wasser. Die Machenschaften von korrupten Politikern und Großkonzernen wie Nestlé sind erste Vorboten dieses Kampfes und auch in Griechenland hat das Spiel bereits begonnen: das ohnehin schon gebeutelte Land soll nun auch noch gezwungen werden, die zwei größten Wasserwerke in Thessaloniki und Athen anteilig zu privatisieren. Die Troika setzt die Politik unter Druck und treibt die menschenverachtende Wasserprivatisierung voran. Ein schreckliches Szenario für die Bevölkerung und ein Vorgeschmack auf das, was auch uns hier in Deutschland bald blühen könnte…

Glyphosat

Glyphosat – Eine »Massenvergiftungsswaffe«

Bei versalzten Gerichten spricht man umgangssprachlich von verliebten Köchen. Finden sich vermehrt Rückstände des Pestizids Glyphosat in unserer Nahrung oder unseren Körpern, darf man hingegen gut und gerne von gekauften Politikern sprechen. Die Rede ist von Christian Schmidt (CSU), beziehungsweise dem »Verbrecher an der Menschheit« wie ihn der bayerische Liedermacher Hans Söllner unlängst und vielleicht auch zurecht bezeichnete. Der besagte Agrarminister hatte sein eigenes Süppchen gekocht, als er im Alleingang – und hinter den Kulissen der Öffentlichkeit – im vergangenen November die Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat in der EU um weitere fünf Jahre durchgeboxt hatte. Ein starkes Stück, wenn man bedenkt, was dies für Konsequenzen für die Bevölkerung und unsere Gesundheit haben könnte.

Glyphosat – was ist das eigentlich? Weitgehend unbekannt ist, dass die besagte Substanz bereits in den 50er Jahren zum ersten mal von einem Schweizer Chemiker synthetisiert und später, 1964 als Rohreiniger für Heißwassersysteme durch ein Patent geschützt wurde. Appetitlich, nicht wahr? Unter dem Markennamen Roundup patentierte der US-amerikanische Großkonzern Monsanto das Toxikum ab den 1970er Jahren als aktiven Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung. Somit fand das Pflanzengift erstmals Verwendung in der Landwirtschaft. Seit Beginn der 80er Jahre entwickelte sich Roundup schnell zu einem der meist verkauften Breitbandherbizide weltweit. Die lieben Freihandelsabkommen lassen grüßen.

Glyphosat ist wegen seiner Risiken für Gesundheit und Umwelt überaus umstritten, deshalb hatte Frankreich gegen die Wiederzulassung gestimmt. Roundup steht im starken Verdacht, krebserregend zu sein und bei Mensch und Tier schwere Missbildungen zu erzeugen sowie Leber- und Nierenstörungen hervorzurufen. (s. weiterführende Links) Zudem gibt es Berichte über starke allergische Reaktionen sowie folgenschwere Nervenerkrankungen. Wenn man bedenkt, dass allein auf deutschen Äckern jährlich 6000 Tonnen des gefährlichen Stoffes zum Einsatz kommen, ist das in höchstem Maße besorgniserregend. Eine repräsentative deutsche Studie, in der bei 99,6 Prozent der über 2000 Probanden überhöhte Glyphosatwerte im Urin nachgewiesen werden konnten, unterstreicht dies. Durch Rückstände in Lebensmitteln wie Brot oder Bier gelangt der Schadstoff in unseren Körper. Die Sache ist somit »gegessen«: Mindestens 75 Prozent der Deutschen sind betroffen.

Monsanto und große Teile der Politik wollen davon aber nichts wissen. Die behördliche Risikobewertung für Glyphosat ist höchstgradig manipuliert und verharmlost das Krebsrisiko. Die Entwürfe zur Risikobewertung wurden von der Industrie selbst verfasst, wichtige unabhängige Studien wurden aussortiert oder sogar falsch dargestellt. Dummdreist, aber effektiv. Die mächtige Pharma-Lobby hat unsere Landwirtschaft und Politiker fest im Griff. Liebe geht eben nicht nur durch den Magen, sondern vielmehr durch das Portemonnaie. Glücklicherweise ist die französische Zeitung Le Monde Monsanto auf die Spur gekommen: Aus geleakten Emails geht hervor, wie Monsanto systematisch Wissenschaftler beauftragte, auf Anweisung des Konzerns verharmlosende Studien zu veröffentlichen oder in Fachzeitschriften positive Artikel über Glyphosat zu publizieren. Hier nachzulesen.

Es gibt allerdings auch andere Meinungen zum Thema. Tatsächlich ist Roundup nur die Spitze des Eisbergs, wie die Süddeutsche Zeitung argumentiert. Denn bei einem Verbot greifen Landwirte – im Klammergriff der Konzerne und der Banken – einfach auf andere, vielleicht sogar schädlichere Gifte zurück. Aber kann es denn langfristig wirklich eine Lösung sein, das eine Gift dem anderen leicht destruktiverem Herbizid vorzuziehen? Nein, auf keinen Fall! Glyphosat darf nicht länger auf unsere Äcker und in unser Essen gelangen und niederträchtige Volksvertreter wie unser Agrarminister Schmidt von der CSU, die so dreist und offensichtlich gegen die eigene Bevölkerung, gegen unsere Gesundheit und gegen die Umwelt agieren, müssen weg vom Fenster! Der Protest ist da, aber leider noch viel zu leise. Die Menschen sollten kochen vor Wut – bevorzugt Gerichte aus Lebensmitteln frei von Glyphosat.

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, sollte sich dringend ARTE´s bemerkenswerte Dokumentation »Chronisch vergiftet – Monsanto und Glyphosat« zu Gemüte führen, folgenden erklärenden Kurzfilm »Die Glyphosat-Lüge« anschauen oder sich den überaus interessanten utopia.de-Artikel »Glyphosat – was du über das Unkrautvernichtungsmittel Roundup wissen solltest« durchlesen. Auch zu empfehlen:
»Hat Monsanto Wissenschaftler gekauft?« von ZEIT ONLINE
»Monika Krüger zu Glyphosat in der EU« ein aufschlußreiches Interview von KenFM