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Glyphosat

Glyphosat – Eine »Massenvergiftungsswaffe«

Bei versalzten Gerichten spricht man umgangssprachlich von verliebten Köchen. Finden sich vermehrt Rückstände des Pestizids Glyphosat in unserer Nahrung oder unseren Körpern, darf man hingegen gut und gerne von gekauften Politikern sprechen. Die Rede ist von Christian Schmidt (CSU), beziehungsweise dem »Verbrecher an der Menschheit« wie ihn der bayerische Liedermacher Hans Söllner unlängst und vielleicht auch zurecht bezeichnete. Der besagte Agrarminister hatte sein eigenes Süppchen gekocht, als er im Alleingang – und hinter den Kulissen der Öffentlichkeit – im vergangenen November die Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat in der EU um weitere fünf Jahre durchgeboxt hatte. Ein starkes Stück, wenn man bedenkt, was dies für Konsequenzen für die Bevölkerung und unsere Gesundheit haben könnte.

Glyphosat – was ist das eigentlich? Weitgehend unbekannt ist, dass die besagte Substanz bereits in den 50er Jahren zum ersten mal von einem Schweizer Chemiker synthetisiert und später, 1964 als Rohreiniger für Heißwassersysteme durch ein Patent geschützt wurde. Appetitlich, nicht wahr? Unter dem Markennamen Roundup patentierte der US-amerikanische Großkonzern Monsanto das Toxikum ab den 1970er Jahren als aktiven Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung. Somit fand das Pflanzengift erstmals Verwendung in der Landwirtschaft. Seit Beginn der 80er Jahre entwickelte sich Roundup schnell zu einem der meist verkauften Breitbandherbizide weltweit. Die lieben Freihandelsabkommen lassen grüßen.

Glyphosat ist wegen seiner Risiken für Gesundheit und Umwelt überaus umstritten, deshalb hatte Frankreich gegen die Wiederzulassung gestimmt. Roundup steht im starken Verdacht, krebserregend zu sein und bei Mensch und Tier schwere Missbildungen zu erzeugen sowie Leber- und Nierenstörungen hervorzurufen. (s. weiterführende Links) Zudem gibt es Berichte über starke allergische Reaktionen sowie folgenschwere Nervenerkrankungen. Wenn man bedenkt, dass allein auf deutschen Äckern jährlich 6000 Tonnen des gefährlichen Stoffes zum Einsatz kommen, ist das in höchstem Maße besorgniserregend. Eine repräsentative deutsche Studie, in der bei 99,6 Prozent der über 2000 Probanden überhöhte Glyphosatwerte im Urin nachgewiesen werden konnten, unterstreicht dies. Durch Rückstände in Lebensmitteln wie Brot oder Bier gelangt der Schadstoff in unseren Körper. Die Sache ist somit »gegessen«: Mindestens 75 Prozent der Deutschen sind betroffen.

Monsanto und große Teile der Politik wollen davon aber nichts wissen. Die behördliche Risikobewertung für Glyphosat ist höchstgradig manipuliert und verharmlost das Krebsrisiko. Die Entwürfe zur Risikobewertung wurden von der Industrie selbst verfasst, wichtige unabhängige Studien wurden aussortiert oder sogar falsch dargestellt. Dummdreist, aber effektiv. Die mächtige Pharma-Lobby hat unsere Landwirtschaft und Politiker fest im Griff. Liebe geht eben nicht nur durch den Magen, sondern vielmehr durch das Portemonnaie. Glücklicherweise ist die französische Zeitung Le Monde Monsanto auf die Spur gekommen: Aus geleakten Emails geht hervor, wie Monsanto systematisch Wissenschaftler beauftragte, auf Anweisung des Konzerns verharmlosende Studien zu veröffentlichen oder in Fachzeitschriften positive Artikel über Glyphosat zu publizieren. Hier nachzulesen.

Es gibt allerdings auch andere Meinungen zum Thema. Tatsächlich ist Roundup nur die Spitze des Eisbergs, wie die Süddeutsche Zeitung argumentiert. Denn bei einem Verbot greifen Landwirte – im Klammergriff der Konzerne und der Banken – einfach auf andere, vielleicht sogar schädlichere Gifte zurück. Aber kann es denn langfristig wirklich eine Lösung sein, das eine Gift dem anderen leicht destruktiverem Herbizid vorzuziehen? Nein, auf keinen Fall! Glyphosat darf nicht länger auf unsere Äcker und in unser Essen gelangen und niederträchtige Volksvertreter wie unser Agrarminister Schmidt von der CSU, die so dreist und offensichtlich gegen die eigene Bevölkerung, gegen unsere Gesundheit und gegen die Umwelt agieren, müssen weg vom Fenster! Der Protest ist da, aber leider noch viel zu leise. Die Menschen sollten kochen vor Wut – bevorzugt Gerichte aus Lebensmitteln frei von Glyphosat.

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, sollte sich dringend ARTE´s bemerkenswerte Dokumentation »Chronisch vergiftet – Monsanto und Glyphosat« zu Gemüte führen, folgenden erklärenden Kurzfilm »Die Glyphosat-Lüge« anschauen oder sich den überaus interessanten utopia.de-Artikel »Glyphosat – was du über das Unkrautvernichtungsmittel Roundup wissen solltest« durchlesen. Auch zu empfehlen:
»Hat Monsanto Wissenschaftler gekauft?« von ZEIT ONLINE
»Monika Krüger zu Glyphosat in der EU« ein aufschlußreiches Interview von KenFM