Feuerwerksverbot

Silvester: 6 Argumente für ein privates Feuerwerksverbot

Wenn sich allein in Deutschland in nur wenigen Augenblicken 100 bis 200 Millionen Euro in Asche verwandeln, dann kann es sich nur um Silvester handeln. Nicht viel Zeit verstreicht, bis sich unser ethischer und moralischer Kompass nach dem friedlichen und besinnlichen Weihnachtsfest in Rauch auflöst und wir in der völlig sinnbefreiten Silvesternacht zu tobsüchtigen und amoklaufenden Hooligans mutieren. Während noch die heidnischen Germanen versuchten, mit viel Krawall und Feuer böse Geister in der dunklen Silvesternacht zu vertreiben, richten heute ihre »zivilisierten« Nachfahren – das wären wir – ein regelrechtes Höllenspektakel aus, bei dem sich unser Verstand still und heimlich in (Fein-)Staub auflöst.

Ja, Böllern kann seinen Reiz haben und ein (normales) Feuerwerk kann schön anzusehen sein. Keine Frage. Ich selbst habe als Teenager wahrscheinlich mehr Silvesterraketen und Böller auf die wehrlose Welt losgelassen, als mir lieb ist. Zum Glück aber habe ich mich von einem »Homo neanderknallensis« zu einem zivilisierten, mit gesunden Menschenverstand ausgestatteten und – zumindest in Teilen – auf die Umwelt bedachten Menschen weiterentwickelt. Deutlicher kann ich mich an dieser Stelle nicht ausdrücken: die jährliche Ballerei von Privat geht mir mittlerweile derart auf die Nerven, dass ich jedes mal kotzen könnte. Und da aber der Deutsche ein Feuerwerksverbot oder zumindest ein städtisch-organisiertes Feuerwerk – gleichermaßen wie manch Amerikaner eine etwaige Einschränkung seines gottgegebenen Waffenrechts – als diktatorischen Freiheitsraub betrachtet, liste ich nun 6 unanfechtbare Argumente gegen das saudämliche Böllern an Silvester auf:

1. DER MIST MACHT KRANK!
Wir Deutschen nehmen es mit der Gesundheit und dem Umweltschutz bekanntlich sehr ernst. Zwar lassen wir uns von der Automobilindustrie an der Nase herumführen, die uns vorgaukelt, wir täten etwas Gutes, indem wir neuwertige und scheinbar giftige Diesel-Fahrzeuge gegen teure, ressourcenverschlingende aber angeblich schadstoffärmere Neuwagen eintauschen und dann sperren wir in Hamburg die erste Straße für Dieselautos, damit diese dann, um von A nach B zu kommen einen kilometerweiten Umweg fahren müssen. Top! Das nennt man dann Klimaschutz. Darüber hinaus bilden wir uns nun ein, etwas für eine bessere Luft getan zu haben, während gleichzeitig im Hamburger Hafen gigantische Kreuzfahrtschiffe – die größten Dreckschleudern unserer Zeit – fröhlich ein und aus fahren und im selben Moment über unseren Köpfen zig tausende Airliner ihre Kreise ziehen. Und weil wir Schildbürger nun so brav was für eine bessere Umwelt getan haben, nehmen wir in der Silvesternacht auch bereitwillig in Kauf, dass wir in unserem kollektiven Tobsuchtsanfall zusätzliche 5.000 Tonnen krebserregenden Feinstaub in die Luft pumpen. Diese an nur einem Abend freigesetzte Menge entspricht laut Umweltbundesamt etwa 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge. Das Umweltbundesamt schreibt weiter: »Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen.« Darüber hinaus schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass bei jedem vierten durch Lungenkrebs verursachten Todesfall sowie bei 15 Prozent aller Schlaganfälle Feinstaub eine wesentliche Rolle spielt. Also: Hirn ein, Lunte aus!

2. LASS ES, WENN DIR WAS AN DEINEN – UND MEINEN – KÖRPERTEILEN LIEGT
Silvester ist die Hochsaison schlechthin für Handchirurgen. Zwar (Zynismus ein) bringt streng genommen jeder verlorene Finger, jede abgesprengte Hand sowie jeder verbrannte Quadratzentimeter Haut selbsternannter Hobby-Pyrotechniker diese hoffentlich dazu, ihre befremdliche Leidenschaft im darauffolgenden Jahr grundlegend zu hinterfragen, doch (Zynismus aus) ist das noch lange kein Grund, in Schadenfreude zu verfallen. Denn ein Großteil der zigtausend Versehrten erleiden ihre leichten bis schweren Verletzungen durch Fremdverschulden. Durch Idioten also, die ihre Böller in die Menge werfen oder Bekloppte, die mit zu wenig Intelligenz gesegnet wurden, um ihre Raketen vertikal auszurichten. Aber es muss nicht immer gleich ein abgesprengter Fuß oder eine zerfetzte Hand sein. Allein in Deutschland erleiden jährlich 8.000 Menschen Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper. Laut deutschem Ärzteblatt behalten rund ein Drittel dieser Menschen bleibende Schäden.

3. BÖLLERN VS. SÜSSE HUNDEWELPEN-FOTOS
Wenn ich mir unser einfach gestricktes Lieschen Müller ansehe, deren Instagram-Account vor Posts mit niedlichen Hundewelpen oder putzigen Katzenvideos nur so überquillt und die mit ihrer billig erstandenen »Lidl Maniac XXL Feuerwerksbatterie« in den Krieg zieht um sich ins neue Jahr zu bombardieren, dann frage ich mich ernsthaft: Das soll jetzt wirklich das schnellste Spermium gewesen sein? So viel zum Thema Tierliebe. Zumindest ist den unzähligen, regelrecht zu Tode verängstigten sowie völlig verstörten Haus- und Wildtieren Lieschens allweihnachtliche 20€-PETA-Spende ganz bestimmt ein großer Trost. Chapeau!

4. WIRF DAS GELD LIEBER GLEICH AUS DEM FENSTER,
so fügt es wenigstens niemandem Schmerz zu. Und der ein oder andere Obdachlose hat immerhin noch sein postweihnachtliches Wunder erlebt. Apropos: Wachsende Wohnungsnot, steigende Armut und Obdachlosigkeit, Pflegenotstand, schrumpfende Renten – Yeah, fuck all that! Lasst uns lieber an einem Abend Zaster im Wert von bis zu 200 Millionen Euro in Asche verwandeln. Warum? Weil es uns scheißegal ist, was andere mit dem sinnlos verheizten Geld anfangen könnten…

5. WER RÄUMT DEN GANZEN DRECK WIEDER WEG?
Die selbsternannten Knallköpfe sicherlich nicht. Ausserdem: Verursachen wir weltweit nicht schon ausreichend Müll?

6. 112
Du bist keine zarten 6 Jahre mehr alt und bekommst keine strahlenden Augen angesichts flitzender Feuerwehrautos mit leuchtendem Blaulicht? Nein? Was also ist dann bitte so geil an tausenden, im Grunde vorsätzlich gelegter oder zumindest grob fahrlässig verursachter Brände? Nichts, denn es ist einfach nur grenzdebil! Und mal abgesehen von den Millionen an Kosten, die die Einsätze jedes Jahr verursachen: Glaubt ihr, die Einsatzkräfte haben wirklich nichts besseres zu tun, als an Neujahr aufgrund der besagten Intelligenzbremsen in Hundertschaften auszurücken?

Ich habe keinen Bock mehr auf innerstädtische Kriegsgebiete! Und wie es aussieht stehe ich mit dieser Meinung nicht alleine da: fast 50% der Bevölkerung spricht sich für ein privates Feuerwerksverbot aus. Die Niederlande machen es vor und Städte wie Paris oder jetzt auch Hannover erklären sich zur pyrofreien Zone. Thumbs up! Wann kommt der Rest des Landes endlich zur Vernunft?