Aluminium

Aluminium – Unser täglich Gift

Steinzeit, Kupferzeit, Eisenzeit – alles Menschheitsepochen, benannt nach dem jeweils dominierenden Material zur Herstellung von frühzeitlichen Werkzeugen. Würden zukünftige Generationen von Archäologen unsere gegenwärtige Epoche erforschen, würden sie unsere Ära wohl treffend als das Zeitalter des Aluminiums bezeichnen. Für unsere moderne Industrie ist dieser Wunderstoff enorm wichtig. Er ist stark, leicht, einfach zu formen, feuerbeständig, langlebig und wartungsarm, weist eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit auf und man kann es – wenn man denn will – leicht recyceln. Aus unserem alltäglichen Leben ist Aluminium nicht mehr wegzudenken und allein im deutschen Bauwesen verbrauchen wir pro Jahr 500.000 Tonnen. Seit nicht mal 120 Jahren bauen wir das silbrig-weiße Leichtmetall ab. Es ist nach Sauerstoff und Silizium das dritthäufigste Element und darüber hinaus gar das am meisten vorkommende Metall in der Erdkruste.

Doch anders als bei vielen anderen Metallen und Grundstoffen ist Aluminium eines der wenigen chemischen Elemente, welches in keinem einzigen biochemischen Prozess der Natur Verwendung findet. In anderen Worten: von Bakterium bis Mensch – kein einziges Lebewesen auf der Erde benötigt Aluminium zum Leben. Während bspw. das Spurenelement Eisen lebenswichtig für den menschlichen Körper ist, hat das zur Diskussion stehende Leichtmetall schlicht und ergreifend keine sinnvolle, natürliche Funktion. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es in größeren Mengen sogar hochgradig toxisch wirken kann.

Jetzt ist aber die Tatsache, dass Aluminium in höheren Konzentrationen im menschlichen Körper eigentlich nichts zu suchen hat, im Grunde keine überraschende Nachricht in unserer scheinbar doch so aufgeklärten Gesellschaft. Doch obwohl wir wissen, dass speziell Aluminiumchlorid aus Deodorants unter dem Verdacht steht, Brustkrebs auszulösen oder als Ablagerung im Gehirn gar die Entstehung der Alzheimer-Krankheit begünstigen kann, finden sich in unserer Nahrung und deren Verpackung, in Kosmetik oder in vielen Pharma-Produkten oft viel zu hohe Mengen an Aluminium. Die Industrie vertuscht, die Politik verschweigt und unsere Gesundheit wird verspielt. Mit teils schweren Folgen, wie die ausgezeichnete ARTE-Doku »Die Akte Aluminium« auf schockierende Art und Weise veranschaulicht.

Das toxische Element löst sich zudem aus unbeschichteten Trinkflaschen und industriellen Getränke-Aufbewahrungsbehältern oder bei säurehaltigen Speisen aus den allgegenwärtigen Aluschalen und gelangt somit – oft in bedenklichen Mengen – in unseren Körper. Auch vom Grillen mit Alufolie raten Experten ab. Nicht umsonst ist folgender Warnhinweis im Kleingedruckten auf besagter Verpackung zu lesen: »Aluminiumfolien nicht zum Abdecken von feuchten, säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln auf Servierplatten oder Schalen aus Metall verwenden. (…) Aluminiumfolie nicht in Verbindung mit in Salzwasser gekochten, stark säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln benutzen. (…)«

Kritiker werden jetzt zurecht behaupten, dass auch von Natur aus viele Lebensmittel Aluminium beinhalten können. Beispielsweise bestimmte Sorten von Birnen, schwarzem Tee, Kakao, Pfeffer und Rucola. Die Mengen sind jedoch in der Regel kaum bedenklich. Was schädlich ist und was nicht, hält der sog. Grenzwert »TWI – Tolerable Weekly Intake« fest. Dieser besagt, dass die Einnahme von 1 Miligramm pro 1 Kilogramm Körpergewicht für den Menschen völlig unbedenklich sei. Wie der ARD Beitrag »Gesundheitsrisiko Aluminium?« allerdings demonstriert, kann dieser Grenzwert im Alltag sehr leicht überschritten werden. Es ist höchste Zeit für ein Umdenken. Die Industrie, die Politik und nicht zuletzt wir Konsumenten tragen eine Verantwortung. Und wenn uns schon unsere eigene Gesundheit scheinbar am Allerwertesten vorbeigeht, dann sollte man doch wenigstens die desaströsen Umweltschäden reflektieren, die der Herstellungsprozess – vom Abbau des Bauxit-Erzes bis zur Aluminium-Schmelze – nach sich zieht.

Gefördert wird das Erz in erster Linie im Tropengürtel der Erde, vorzugsweiße in Afrika und Südamerika. Um das Metall zu gewinnen, werden riesige Waldgebiete gerodet und aufgrund des immensen Energieaufwandes wird es in Ländern geschmolzen die über sehr günstigen Strom verfügen. Oft werden Megastaudämme zur Stromversorgung der Aluminiumwerke gebaut. Egal in welcher Herstellungsphase: das Wundermetall beschwört enorme Umweltprobleme herauf. Zu allem Überfluss sind die Arbeitsbedingungen katastrophal, der Gesundheitszustand vieler Mitarbeiter und Anrainer miserabel und Unfälle, wie die schreckliche und folgenreiche „Rotschlamm-Katastrophe“ 2010 in Ungarn, vorprogrammiert. Zum Endprodukt wird Aluminium dann in Ländern der ersten Welt weiterverarbeitet, wo natürlich auch ein Großteil der Gewinne erwirtschaftet wird. Einige wenige Großkonzerne beherrschen den Weltmarkt. Kennt man ja…

Anstatt aus den oben genannten Gründen den globalen Aluminium-Konsum einzuschränken, schwören immer mehr Kaffeetrinker auf bequeme Alu-Kapseln. Diese seien »mit einem Lifestyle- und Luxusgefühl im Alltag verbunden«, frohlockt der Deutsche Kaffeeverband. Ein Multi-Millionen-Geschäft für Nespresso (Nestlé) und Konsorten, aber ein Desaster für die Umwelt, die tropischen Regenwälder und ihre Bewohner. Der Genuß von Alu-Kapseln produziert jährlich tausende Tonnen Müll, denn der Anteil des Aluminiums, welcher tatsächlich recycelt wird ist viel zu gering. Die meisten Kapseln landen einfach im Restmüll. Um guten Kaffee zu kochen, braucht man keine Kapseln. Erst recht keine aus bedenklichem Aluminium.

Wenn wir als Konsumenten nicht endlich unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen und der Umwelt wahrnehmen – in dieser und in vielen anderen Angelegenheiten – dann stehen die Chancen wohl nicht schlecht, dass das Zeitalter des Aluminiums, in dem wir gerade leben, gut und gerne unser Letztes sein wird.

4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.